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Kunst am Spirituellen Weg
Eine übersicht

In der oststeirischen 8400-Einwohner-Stadt Weiz bildet der "spirituelle weg" ein ungewöhnliches Ballungszentrum für kirchliche und weltliche Kunst. Sieben "Orte der Wahrnehmung" umfasst der sakral-künstlerische Weg, der auch fünf weitere sehenswerte Beispiele zeitgenössischer Kunst namhafter Künstler mit einschließt. Er beginnt am Hauptplatz in der Taborkirche, quert kleinstädtische Urbanität und führt durch einen peripheren Grüngürtel hinauf zur barocken Wallfahrtskirche am Weizberg.

 
Taborkirche
Hauptplatz
 

Im Zuge der Neugestaltung des Altarraumes hat der Künstler Walter Kratner die romanisch-gotisch-barocke Stadtkirche im Chorquadrat um ein sakrales Objekt-Ensemble bereichert. Der neue, unaufdringliche Altar ist aus Glas und Stein, in seinem Boden wurde ein "Materialfeld" aus Asche und Dornen eingelassen. Damit will Kratner das Organische mit Anorganischem verbinden. Vergängliches unvergänglich machen. "Um eine Klammer zwischen den historischen Baustilen zu finden" sollte der Altar für die intime Stadtkirche, die dem Thomas von Canterbury geweiht ist, "etwas transparentes, zurückhaltendes" werden, merkte der Künstler an. Diesem unspektakulären Ansatz folgt auch die Installation eines alten, kleinen hölzernen Corpus Christi, dem die Dornenkrone fehlt, als historisches Zitat, auf einem modernen Glaskreuz.

 
Hannes Schwarz Saal
Altes Rathaus

Im Komplex des Alten Rathauses, richtete die Stadt Weiz den "Hannes Schwarz Saal" ein. Zwölf Bilder (von 1959 bis 2002) geben dem Besucher einen Eindruck vom komplexen Werk des Künstlers. Von der Schulbank weg, von hohlem Pathos und ideologischer Indoktrination des NS-Regimes geblendet, wurde der junge Hannes Schwarz in den Malstrom der letzten Kriegsmonate gestürzt. Er hat als Gezeichneter überlebt, auch wenn die Seele, wie bei so vielen, einen nachhaltigen Schaden davontrug, der seinen Werdegang und seine Kunst für Jahrzehnte prägen sollte. Die ausgewählten Tafelbilder sprechen von der Wirkung der Vergeistigung als Kennzeichen des gesamten Schaffens von Hannes Schwarz und bestätigen seine Bedeutung für die klassische Moderne Österreichs.

 
Kunsthaus Weiz.

Das Kunsthaus Weiz ist ein absolut städtischer Gebäudekomplex und der Versuch das Zentrum mit moderner Architektur zu beleben. In zeitloser Eleganz formt das Dach sich hoch über der Ausstellungsgalerie an der Straßenfront zu einer Welle und die geschwungene, transparente Glasfassade signalisiert einladende Offenheit. Die Herstellung einer harmonischen Beziehung des Bestands der Altstadt mit dem neuen Kunsthaus, Einbindung ohne Anpassung, ist das zentrale Thema des Pariser Architekturbüros feichtinger architectes.

 
Alte Kegelbahn
Allee am Weizberg

Nahe der Weizbergkirche wurde kurz vor dem Einsturz eine beinahe sinnlose Anlage gerettet, die einst 17(!) Weizer Kaplänen zum Zeitvertreib diente: die barocke Kegelbahn. Zwei geometrische Körper (Sphäre und Kubus) - in Form von schlagender Einfachheit aus Serpentin gearbeitet - verweisen heute auf diese historische Funktion. Auf handgeschmiedeten Eisentafeln stehen sie sich auf beiden Enden der Bahn gegenüber. In ihrer kargen und linearen Gestaltungsweise als Zeichen für Bewegung und Stillstand, Ruhen und Rollen. Erstarrt in Raum und Zeit, konserviert der Steinkubus in seinem Inneren eine Orgelpfeife aus dem alten Bestand der Wallfahrtskirche. Autor der permanenten Installation: Walter Kratner.

 
Schwebebalken
Allee am Weizberg

Ein Jahrhundert alter, maroder Pressbaum diente demselben Künstler als "Mahnmal" der Vergänglichkeit. Wo er gesprungen ist, wo er Hohlräume hat, hat ihn der Künstler mit Zinn ausgefüllt und so ein verzweigtes Netz seiner Existenz gegossen. Nach mühsamer Restauration wurde er auf zwei Glastafeln gebettet und wieder der Natur überlassen. Zwischen alten Birnenbäumen schärft er die Wahrnehmung des Natur-Szenarios und legt einen zentralen Ort meditativer Ruhe. Einige Jahre schwebte er so. Eines Nachts wollte man diesen Balken zu Fall bringen. Nun schwebt er auf zersplittertem Träger aus Glas. Was so schwebend mit der Weinpresse am Vorplatz vorgestellt wird, kommt in der Kirche wieder: als ein Teppichgemälde aus Traubensaft.

 
Wallfahrtskirche am Weizberg

Auf den ersten Blick mag dem Betrachter die neue Gestaltung des Altarraumes kontrovers anmuten. Dort hat Hubert Schmalix mit dem Architekten Hermann Eisenköck die Weintraube als Motiv für seinen "schwebenden" Altar und den pink-orange-grünen Teppich, auf dem er steht, gewählt. Gerade nach der stupenden Innenrenovierung der Kirche erhöhen die poppigen Farbflächen am Boden den räumlichen Eindruck vom mächtigen Prunk der barocken Deckenfresken des Josef Adam Mölk. Die gesamte Liturgiezone scheint in eine Flut von Farbe getaucht, die wie ein gewobener Traubenstrom unter dem Gold des Hochaltars in den Hauptraum fließt. Religion und Historie wurden hier ernst genommen und das christliche Ritual verkommt nicht zu einer freundlich schalen Tischgemeinschaft.

 
Emanuelkapelle
Wallfahrtskirche am Weizberg

Aus dem pompösen Kirchenschiff in die angeschlossene Emanuelkapelle eintretend, sieht sich der Besucher in den Bildern von Hannes Schwarz mit der metaphysischen Not des Einzelnen, die das letzte Jahrhundert der Gewalt hinterlassen hat, konfrontiert. In sakraler Einfachheit gehalten, steht die gesamte Architektur der ehemaligen Kerzenkammer unter dem Anspruch der Moderne, sowie im Dienst der Botschaft der Bilder und des von Johannes Rauchenberger als "Gedächtnisspeicher" konzipierten Altares. Einfühlsame "Hörstücke", von der Literatin Andrea Sailer selbst gelesen, erinnern den Besucher der Werktagskapelle aber auch an zeitspezifische Lebenswirklichkeiten, die von sozialer Ausgrenzung bestimmt sind.

 
Am Weg

In Weiz wurde nicht nur eine Verbindung zwischen Kirche und Kunst gefunden, auch das Stadtbild wurde belebt und verändert. Auf diese Art sollen die Besucher einerseits über den "spirituellen weg" nach Weiz finden - gleichzeitig sollen aber auch die Künstler und deren Werke Interesse wecken. So hat Werner Hofmeister für den Kunstweg eine überdimensionale Sprechblase erdacht. Vielleicht nicht nur zufällig im Umfeld von Schule und Kirche montiert, ist das "leere" Zeichen aus der Welt des Comics ein ironischer Verweis auf die Logo- und Werbeästhetik. Betonen die räumlichen Steinobjekte von Tobias Putrih und Nica Radic Effekte der Wahrnehmungsverzerrung, findet man mit dem Bildhauer Josef Pillhofer einen wichtigen österreichischen Vertreter der formalen Reduktion. Im kleinen " Lichthof" des ehemaligen Schloss Radmannsdorf zeigt seine Bronzeplastik, wie Natur in ihrer knappsten und ausschließlichsten Form festgehalten werden kann. Ein paar Schritte weiter, im Stadtpark Weiz, dreht sich der gesamte technoide Wohnzylinder, das "Gemini-Haus", mit der Sonne, um deren Einstrahlung optimal zu nutzen. Dieser Prototyp eines Plusenergiehauses wurde von Architekt Erwin Kaltenegger entwickelt und hat mit einem kubusförmigen "Lichttrog" (von Walter Kratner) am Vorplatz ihr statisches Pendant.

Text: Walter Kratner
Literatur:
Marijana Milijkovic, Der Standard, 14.07.06
Mag. Dr. Johannes Rauchenberger, "Weizbergs Samt", 2006
Götz Pochat, Gedanken zu Hannes Schwarz, Katalog Kunsthaus Weiz, 2005

   
Stein zur Medition

Karl Prantl, gilt mit Fritz Wotruba als einer der wichtigsten österreichischen Bildhauer. In einer großzügigen Geste stellte er dem "Spirituellen Weg" einen seiner "Steine zur Meditation" als Leihgabe zur Verfügung. Bis 2003 war der tonnenschwere Serpentin in der "Allee am Weizberg" zu sehen.


"… Im Laufe einer Wanderung sind wir zu einem Aushub gekommen. Dabei hatte ich die Idee für diesen Steinring. Während des Gespräches sahen wir plötzlich einen jungen Menschen kommen. Er war wie eine Erscheinung! Er hatte ein Gerät - es muss eine Art Metalldetektor gewesen sein - und suchte die ganze Wiese ab. Als er in unsere Nähe kam, fragten wir ihn, was er hier suche, und er antwortete, dass er den Ring seiner Mutter suche. Wer weiß, was sich innerhalb seiner Familie abgespielt hat. Eigentlich traumhaft, dass ein Kind den Ring genau zu der Zeit suchte, als wir den Ort für den Stein fanden."


"… Und wenn es um Weiz geht, so sind diese Birnenstämme, die Wurzeln und die Äste, Geschenke an unsere Generation. Der Stein war zuerst, und dann der Baum. Aber der Stein lebt länger. Der Stein wird auch zu Erde, wird zu Staub - aber um diese Dimension geht es!"

Aus einem Gespräch mit Walter Kratner, Pötsching, Burgenland, Herbst 2002

 
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