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Umwegen der modernen Zeit
ein Feuilleton von Andrea Sailer


Auf den ersten Blick ist der Spirituelle Weg ein Beitrag zur Landesausstellung 2001 mit dem Thema „energie“. Dahinter steckt jedoch viel mehr, nämlich ein völlig zeitloses und an keinerlei Anlässe gebundenes Konzept; die Idee eines immerwährenden, da allzeit gültigen spirituellen Pilgerpfades. Daß damit auch religiöse Inhalte verbunden sind, soll nicht verleugnet werden, im Gegenteil. Denn wo es um Kraftquellen geht, wo die Rede ist von Sinnsuche, Selbsterfahrung, Lebensenergie und eben Spirituälität, da liegt für viele wohl die Abschiebung in eine esoterische Ecke nahe. Zu Unrecht, denn. gerade das möchte dieser Weg nicht sein! In einer Zeit modischer Unwörter wie etwa Wellness, Erlebnisgastronomie, Eventkultur oder dergleichen, die selten mehr sind als leere, wenngleich vielversprechende Worthülsen und zeitgeistige Imperative, hat der Spirituelle Weg zwei vergleichsweise altmodische Ziele: die Begegnung des Menschen mit sich selbst sowie das Kraftschöpfen aus dem Glauben an Gott. In der Verschmelzung beider Ziele liegt letztlich - entlang an 7 Stationen - auch die Begegnung jedes einzelnen mit der Welt in ihrer Ganzheit und Vielfalt, und. damit die Begegnung mit dem Elend wie auch der Hoffnung, mit Natur ebenso wie mit Kunst.

Natürlich könnte man an der Oberfläche mit folgenden Einwänden und Fragen rechnen: Wozu das alles? Wer braucht heute noch so einen Pilgerpfad? Und haben wir mit Religion denn überhaupt noch irgendwas am Hut?

Plausible Fragen, sicher. Zumal unsere Zeit vielen Worten ihren - oft schwer faßbaren oder gar unbequemen - Inhalt und Sinn nimmt, um aus ihnen medientaugliche, trendgerechte und ach so positive Hüllen zu machen, die dann der jeweilige Zeitgeist füllen kann. Auch wenn die Fülle oft nicht mehr ist als heiße Luft. Kraft und Energie sind, auch zwei solche Begriffe. In einer Ära der Kraftkammern und Energydrinks übersieht man leicht und gern, daß mit diesen Worten auch noch etwas ganz anderes gemeint sein könnte, daß nicht nur unser Körper nach Stärkung und neuen Ressourcen verlangt, sondern auch unser Geist oder eben das, was man so Seele nennt.

Seele, das ist vielleicht jene unbesetzt gebliebene Stelle im Menschen, die uns alle suchend und irrend durchs Dasein taumeln läßt. Wir wissen doch alle nicht so recht, wonach wir eigentlich suchen, und so stolpern wir halt durchs Leben wir durch ein Warenhaus, durchstöbern gierig und lustlos zugleich die Vorräte an Sinnangeboten, Daseinsentwürfen, Existenzformen. Wir entscheiden uns für alles ein bißchen, für gar nichts ganz. Wir legen uns nicht fest, wir legen einfach los. Darin legen wir noch nach, und später legen wir beiseite. Alles ist scheinbar möglich, alles kann durchexerziert, ausprobiert, angenommen und sofort wieder verworfen werden. Und obwohl es längst schon alles gibt, war das Richtige noch immer nicht dabei. Unsere Welt ist nämlich randvoll mit Trostpflastern - und dabei dennoch ohne Trost. Denn wir sind untröstlich inmitten unserer desolaten Vollkommenheit. Und weil wir längst schon nicht mehr wissen, was uns eigentlich treibt, lassen wir uns eben so treiben. Klammern uns an Oberflächen, Äußerlichkeiten, Fassaden. Weil es scheinbar nur mehr darum geht, nicht mehr um Inhalte. Die sind beiläufig verschwunden, so wie wir auch unsere Seele immer mehr verkümmern lassen. Es geht eben um andere Dinge; um Spaß und Abenteuer, um Genuß und Vergnügen, um jede Art von Fun. Lieber wollen wir Nervenkitzel als Balsam für die Seele, lieber Gourmet-Nahrung für den Leib als erlesene Kost für den Geist, lieber einen kräftigen Muskel als eine verletzliche Stelle. Und Gott? Der paßt irgendwie nicht mehr ins Programm. Weil Glaube angeblich dort aufhören muß, wo Wissen beginnt. Insofern ist naiver Trost nicht, was wir wollen. Doch von gescheit zu gescheitert ist es eben nur ein winziger Schritt.

Der Spirituelle Weg ist gerade aus diesen Gründen ein guter, ein notwendiger Weg. Weil er sich jeglichen Trends entzieht, sich mit einer Leichtigkeit hinwegsetzt über Mode und das Diktat der Gesellschaft. Es ist ein Weg, der nicht appetitliche Häppchen serviert oder esoterisches Seelen-Catering betreibt, sondern auf die Verpackung und Garnierung weitgehend verzichtet. Er bietet Inhalte in einer inhaltsarmen Zeit, und er lockt nicht mit den üblichen Schockern und. Tabus, sondern bricht selbst auf wunderbare und sehr stille Art eines der letzten Tabus: er verwandelt unseren hohlen Katalog der Wichtigkeiten in einen Katalog der Nichtigkeiten, indem er all das propagiert, was heute vielerorts bekämpft wird, vermieden, umgangen, geflohen. Statt Lärm bietet er Ruhe an, statt Schönrederei und Blauäugigkeit ermuntert er zum Hinschauen und Hinhören, zur bedingungslosen Wachsamkeit gegenüber den Mißständen in der Welt. Statt Ellbogentechnik und Karrieregeilheit zu forcieren, setzt er auf Solidarität. Er wertet die Hoffnung des Glaubens stärker als die Gewißheit des Verstandes. Und wo alle von der Freiheit reden, da zeigt er ein Gefängnis. Der Spirituelle Weg ist ein radikales Zeichen wider alle Zeichen der Zeit. Und das hatten wir eigentlich längst schon dringend nötig.

 
 
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