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Grundkonzept_April 2001

Seit zwölf Jahren gibt es in Weiz eine kirchlich geprägte Aufbruchsbewegung. Was mit Jugendlichen begann, wurde im Laufe der Zeit zu einer Bewegung, die auch Menschen außerhalb der Kirchen anspricht. Hinter diesem Geschehen steht die Vision eines spirituell-solidarischen Aufbruchs. Durch die Landesausstellung in Weiz wurde es plötzlich möglich die geistigen Erfahrungen dieser Jahre in ein konkretes Projekt zu gießen. Die Idee eines Spirituellen Weges wurde geboren. Es entstand ein ganz konkreter Weg vom Tabor in der Stadt Weiz zum Weizberg. Sieben Orte auf diesem Weg laden ein spirituellen Erfahrungen auf die Spur zu kommen.

 
1. Energie und Spiritualität:
 

Das Konzept des Spirituellen Weges geht von einem christlichen Spiritualitätsbegriff aus. Unter der Voraussetzung, daß Materie und Welt nicht alles sind, sondern, daß es darüber hinaus noch etwas anderes gibt, das ChristInnen Gott nennen, macht es Sinn von Spiritualität zu reden. Eine Weltsicht, die selbst in Zeiten der "Postmoderne" von einem überwiegenden Teil der Menschheit geteilt wird. Spiritualität ist dann der Weg, den ein Mensch geht, um mit diesem höheren Sein in Beziehung zu kommen und um so neue Kraftquellen zu erschließen. Spiritualität ist Leben im Geist. ChristInnen könnten es so ausdrücken: Spiritualität heißt: Aus einer lebendigen Beziehung mit Gott zu leben. Es bedeutet, in Gott verwurzelt zu sein. Die Glaubenden erfahren eine Kraft, die aus dieser Beziehung mit dem Göttlichen kommt. Eine neue Energiequelle erschließt sich. Am Beginn des neuen Jahrtausends benennen Zukunftsforscher einen Megatrend: "Respiritualisierung". Jede/r aufmerksame ZeitgenossIn wird dies bestätigen: Esoterik, Wellness, religiöse Themen in Kinofilmen, Satanismus, Astrologie, Vorstellung von Zeitenwende, etc. zeugen von einem Aufkeimen spirituellen Interesses.

 
2. Wiederbelebung einer Wallfahrtsidee:
 

Wallfahren bedeutet zu heiligen Orten zu pilgern, um dort Kraft zu schöpfen. WallfahrerInnen wollen ihr eigenes Leben damit erneuern. Einen Wallfahrtsweg könnte man heute als einen Energie und Kraftweg bezeichnen. Weiz war in der Geschichte ein bekannter Wallfahrtsort. Auf dem Weg nach Mariazell machten viele Wallfahrer aus dem In und Ausland in Weiz Station. Im 17. Jahrhundert sind Jahre dokumentiert, in denen bis zu 100.000 Wallfahrer pro Jahr in der Weizbergkirche die Heilige Kommunion bekamen. Man pilgerte zur Schmerzhaften Mutter, um bei ihr das eigene Leid, die eigene Trauer in Trost verwandeln zu lassen. Diese Grundidee möchte der Spirituelle Weg wieder beleben. Nur wie transformiert sich diese Idee in unsere Zeit hinein? Zeit und Frömmigkeitsvorstellungen haben sich grundlegend geändert.

 
3. Eine Wallfahrt, nicht nur für fromme ZeitgenossInnen:

Die interessante Herausforderung an der Idee des Spirituellen Weges war es, einen Wallfahrtsweg zu gestalten, der in die heutige Zeit paßt und nicht nur für fromme ZeitgenossInnen gedacht ist. Ob kirchlich geprägt, oder esoterisch beeinflußt, ob spirituell suchend, oder einfach interessiert, der Weg soll für jede/n "begehbar" sein. Trotzdem geht die inhaltliche Konzeption eindeutig und bewußt von einem christlichen Spiritualitätsbegriff aus. In einer pluralistischen Zeit kann das aber nicht bedeuten einem alten, engen missionarischen Denken verhaftet zu sein. Ziel des Weges ist es nicht, die Leute zu einer Kirche zu bekehren. Sinn des Weges ist es, spirituelle Erfahrungen möglich zu machen. Wahrheiten finden sich in allen religiösen Traditionen. Gerade deswegen aber ist der Spirituelle Weg kein Sammelsurium von "religiös-spirituell-esoterischen Schmankerln". Dieses unserer Zeit eigene "spirituelle Supermarktverhalten" ist eher Symptom einer Krankheit als ihre Heilung. Hinter dem Spirituellen Weg steht die Absicht sich auf einen Weg ganz einzulassen, bei aller Offenheit für das andere.

 
4. Wege der Umsetzung - 7 Quellen zur Kraft
 

Der Weg beginnt mitten in der Stadt Weiz. Am Hauptplatz, vor der im 12. Jahrhundert erbauten Taborkirche startet, angezeigt durch die von der Grazer Baukünstlerin Dipl.-Ing. Gertrud Holzleitner gestaltete Wegbeschilderung der Weg nach innen, zu sich selbst.

 

1. Taborkirche: Tor zur Geschichte
Die Taborkirche als erste Station ist der Ort der Einstimmung. Mit Meditationsmusik wird der zeitgenössische Pilger eingeladen seiner persönlichen Geschichte nachzugehen.

2. Evangelische Kirche: Welt-Haus
Mitten durch die Stadt führt der Weg zur Evangelischen Kirche. Dort gibt es einen zweifachen Akzent. Spiritualität und Solidarität stehen im Mittelpunkt. Die Heiligen Schriften aller Weltreligionen verbinden sich mit einer Installation "Gefängnis". Hintergrund ist die Arbeit des ehemaligen Weizer Kaplans Günther Zgubic als Gefängnisseelsorger in Brasilien.

3. Allee am Schwobn: Meditationsstein von Karl Prantl
Vom international renommierten Künstler Karl Prantl stammt ein Meditationsstein. Der im Durchmesser 2.40m große Serpentinstein stammt ursprünglich aus Osttirol. Es ist ein Ring, der in der Mitte hohl ist. Meditation wird als das in sich Gehen, als Weg zu sich selbst gesehen.

4. Am Weizberg: Alte Kegelbahn und Heilkräutergarten
In der neu restaurierten alten, barocken Kegelbahn hat der Künstler Walter Kratner eine Rauminstallation geschaffen. Der alte Raum verbindet sich mit moderner Kunst und wird zu einem Ort der Einkehr und Meditation. Das Turmzimmer wird mit Orgelpfeifen der alten Weizbergorgel bespielt. Ein Bruckner-Visions-Thema bildet die Grundlage. All das liegt eingebettet in einem von Gertrud Holzleitner neugestalteten Garten, der sowohl Platz für Rückzug und innere Einkehr, als auch für das gemeinsame Feiern anbietet. Der Heilkräutergarten vis à vis ermöglicht Naturerfahrung mit allen fünf Sinnen. In diesem neu angelegten Garten finden sich 55 Heilkräutersorten neben Orten der Kraft.

5. Weizbergkirche: Weg der Verwandlung
In der innen-renovierten barocken Kirche wird ein alter Ritus in neuem Gewand wieder aufgegriffen. Der alte Wallfahrerweg um den Hochaltar der Kirche wird als Weg der Verwandlung begangen.

6. Emanuelkapelle: Hör!Raum
In der vom Künstler Hannes Schwarz gestalteten Seitenkapelle der Kirche sind Texte der Weizer Schriftstellerin Andrea Sailer zu hören. In ihnen begegnen uns die Schwachen unserer Gesellschaft und die Geringsten dieser Welt.

7. Pfarrzentrum am Weizberg: Lichtkeller
Als Abschluß des Weges dient der alte, gewölbte Keller des Pfarrzentrums. In ihm wird eine Licht-Ton-Video-installation gezeigt. In der Geschichte des Senfkorns, einem biblischen Gleichnis, wird der Erfahrung des Aufbruchs nachgegangen.

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